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Christlicher Glaube ist missverstanden, wenn er ausschließlich auf das Sterbenkönnen konzentriert wird. Christen sind keine Sterbekünstler. Sie können es schon deshalb nicht sein, weil der Einzige, der den Tod überwunden hat, Christus ist. Andererseits wird die Tatsache, dass jeder sterben muss, nach wie vor vielfach verdrängt. Aus dieser Verlegenheit finden wir nur heraus, wenn wir ein deutliches (und schmerzvolles!) Ja zu Sterben und Tod finden. Wer an Gottes welt- und todumspannende Liebe glaubt, vertraut letztlich auf Gottes Zukunft. Unter dem Gesichtspunkt der selbst vom Tod nicht zu begrenzenden Liebe Gottes formuliert der schweizer Pfarrer und Schriftsteller Kurt Marti:

wenn ich gestorben bin
hat sie gewünscht
feiert nicht mich
und auch nicht den tod
feiert DEN
der ein gott von lebendigen ist

Im Folgenden möchte ich einige Gedanken ansprechen, die mir in meiner Praxis häufig begegnen.

Krankheit: Es wäre gut, wenn Sie Ihren Gemeindepfarrer rechtzeitig verständigen würden. Er besucht sie gerne, wenn Sie es wünschen, und er kommt nicht als "Todesengel". Manch gutes Gespräch über Dinge, die der Schweigepflicht unterliegen, können eine große Hilfe sein.

Das Abendmahl ist ein Mahl zum Leben. Wenn Sie den Pfarrer zum Hausabendmahl rufen, weil Sie krank oder aufgrund Ihres Alters nicht mehr zur Kirche gehen können, dann heißt das nicht: "Muss der aber ein schwerer Sünder sein" oder "Die muss bald sterben". Im Gegenteil: Es ist für den Kranken eine Stärkung, die unsere Verbundenheit mit Gott und mit unseren Angehörigen bestätigt. Rufen Sie den Pfarrer auch bitte nicht erst dann, wenn es schon zu spät ist. Man sollte noch das Wort hören, die Gebete mitbeten, Brot und Wein aufnehmen können.
Viele scheuen sich, solche Fragen anzuschneiden. Wenn der Wunsch nach geistlicher Begleitung vom Kranken nicht ausgesprochen wird, kann man sie vielleicht taktvoll anbieten.

Für die Angehörigen und den Pfarrer ist es eine große Hilfe, wenn der Gestorbene seine eigene Bestattung mit vorbereitet hat. Suchen Sie einen Bibelvers heraus, der Ihnen wichtig geworden ist und ein Lied. Warum nicht ein Osterlied, das den Sieger über den Tod besingt? Vielleicht können Sie auch einen kurzen Lebenslauf Ihrem Testament beifügen, in welchem steht, was Sie an Gott gefreut oder geärgert hat, was Ihnen wichtig war oder was Sie sich wünschen.

Eine Freude und ein gutes Wort zu Lebzeiten sind wichtiger als ein teurer Sarg und eine Unmenge von Kränzen. Es ist ein schwierige Frage, ob man einem Sterbenskranken sagen soll, wie es um ihn steht. Sicher ist ein Kranker, der noch Hoffnung hat für die Krankenschwester, den Arzt oder die Angehörigen angenehmer. Andererseits ist sich mancher deutlicher bewusst, wie es um ihn steht, als wir oftmals meinen. Geregelte Verhältnisse, gestifteter Frieden und Liebe zueinander lassen einen ruhiger schlafen. Reden Sie also offen miteinander, auch über das Sterben. Wir helfen nicht, wenn wir diese harte Wirklichkeit verdrängen (vgl. Psalm 90, Vers 12). Sterbende sollten sich bewusst werden, dass das Leben zu Ende geht. Sie sollten aber auch wissen, dass es zu einem Ziel führt: zu Gott. Das betrifft natürlich auch die Angehörigen.

Wenn in Ihrer Familie jemand gestorben ist, dann rufen Sie sofort einen Arzt. Am selben oder am folgenden Tag muss der Sterbefall auf dem Standesamt angezeigt werden. Der Tote muss übrigens nicht sofort abgeholt werden. Er kann bis zu 36 Stunden zu Hause bleiben, eine Zeit die zum Abschied nehmen sinnvoll genutzt werden kann. Vergessen Sie nicht, den Bestattungstermin mit dem Pfarrer rechtzeitig abzustimmen. Er kommt, wenn Sie es nicht anders wünschen, zu Ihnen ins Haus, um mit Ihnen den Ablauf zu besprechen.

Feuer oder Erdbestattung? Weder von der Gemeinde noch von der Theologie werden hier Vorschriften gemacht. Viele Märtyrer wurden auf Scheiterhaufen verbrannt, und die Verbrennung ist nichts anderes, als ein beschleunigter Verwesungsprozess. Wenn Sie eine Todesanzeige aufgeben, scheuen Sie sich nicht dabei zu verraten, welchen Glauben Sie haben. Das Kreuz ist kein schlechter Hinweis. Und wenn Sie einen Spruch wählen, warum nicht der Tauf-, Konfirmations- oder Hochzeitstext?

Der Ablauf einer christlichen Bestattung in Bad Homburg v.d. Höhe hat meistens folgenden Ablauf:

  • Orgelvorspiel / Lied
  • Psalmwort
  • Kurze Lebensdaten
  • Ansprache über einen Bibeltext [evtl. Tauf-, Konfirmations-, Trauspruch oder Tageslosung]
  • Orgel /Lied
  • Fürbitte
  • Orgel / Lied
  • Gang zum Grab
  • Aussegnungsformel
  • Vaterunser, Segen

Die christliche Bestattungsfeier auf dem Friedhof ist ein Gottesdienst und keine bürgerliche Veranstaltung. Erwarten Sie vom Pfarrer bitte keinen großen Nachruf auf den Toten oder ausführlichen Lebenslauf, den Verstorbenen haben Sie sowieso viel besser gekannt. Der "Nachruf auf den Tod" ist Jesus Christus und das Leben, das heißt: Der Tod ist tot. Dieser Tatsache sollten auch, falls gewünscht, Musikdarbietungen entsprechen. Banale Schlager, Volkslieder etc. gehören nicht dazu. Singen stärkt die Gemeinschaft und viele unserer Kirchenlieder sind eigentlich Gebetstexte.
Manche Angehörige empfinden das Kondolieren am Grab als eine lästige Pflicht. Bedenken Sie bitte aber auch, dass Sie stellvertretend für den Verstorbenen Ihre Hand den Mittrauernden geben. Diese hatten oftmals keine Gelegenheit, Abschied von dem Toten zu nehmen. Das ist auch ein Stück Seelsorgearbeit, die Sie an anderen wahrnehmen können.

An vielen Orten ist es üblich, nach der Trauerfeier im Kreis der Familie und Freunde zusammenzusitzen ("Leichenschmaus"). Dieses Zusammensein kann ein große Hilfe für die Angehörigen sein. Es ermöglicht Gespräche und Begegnungen, zu denen auf dem Friedhof weder Zeit noch Gelegenheit war. Hier ist auch der Platz für Nachrufe der Kinder, Eltern oder Freunde. Es ist nicht schlecht, wenn Erinnerungen geschildert werden, weil sie das Bild des Verstorbenen noch einmal in Erinnerung rufen.

Leider ist es oft so, dass Leidtragende in den Wochen und Monaten nach der Bestattung allein sind. Trauerhäuser werden gemieden. Zuweilen sind auch die Hinterbliebenen nicht ganz schuldlos, wenn sie sich zurückziehen oder abkapseln. Leidtragende müssen aber unter die Leute. Es geht nicht um Schmerzverdrängung oder nur "um auf andere Gedanken zu kommen". Vielmehr ist es nötig, die Trauer(-arbeit) gemeinsam zu tragen und sich gegenseitig zu helfen bzw. sich helfen zu lassen. Hier ist die christliche Gemeinde in besonderer Weise gefragt.

Bestattungsverse

 

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