Artikel von Annemarie Bünte
Ursprünglich war unser Friedhof hinter der Kirche gelegen und hieß
damals mit Recht "Kirchhof". In den Kirchenbüchern trug der jeweilige
Pfarrer den Tag und auf die Minute genau den Zeitpunkt des Todes ein,
sowie das Alter und die Namen der Eltern. Das Ableben des Betreffenden
musste zeitweise auch von zwei Zeugen bestätigt werden.
Bei den Hugenotten gab es anfangs überhaupt keine Grabmale, und in
späterer Zeit waren sie relativ einfach und schlicht. Ähnliche
Anschauungen mögen unsere Waldenser gehabt haben.
Im Lauf der Zeit wurde der Friedhof hinter der Kirche voll belegt.
Pfarrer August Humbert, der 1848 von Neuchâtel nach Dornholzhausen
gekommen war, schenkte nach seiner Pensionierung der Kirche einen Acker
in der Flur "Im Langenfeld" für einen neuen Friedhof. Die Kirche
übernahm die Kosten für die Mauer, ein eisernes Tor und die Anpflanzung
einer Tannenhecke. Die Einweihung des Friedhofs bei der Beerdigung der
siebenjährigen Cathérine Bailly, Tochter des Schuhmachers Conrad
Bailly, am 24.Mai 1856 hat Pfarrer Humbert nicht mehr miterlebt. Aus
dem vorherigen "Kirchhof" wurde ein Gemüsegarten, den der Schullehrer
bepflanzte.
Es gab natürlich eine örtliche "Friedhofsordnung" und gesetzliche
Vorschriften für "Friedhöfe auf dem Lande". So musste die turnusmäßige
Wiederbelegung der Reihengräber geregelt sein, auch der Schmuck des
Grabes und die Gestaltung der Grabmale sollte im Rahmen des von der
Kirchengemeinde Genehmigten bleiben. Für Sonderwünsche wurde eine
Gebühr erhoben.
Die Bestattung war für die evangelischen Mitbürger und für in
Mischehe lebende Katholiken kostenlos, zugezogene Evangelische zahlten
einen geringen Zuschlag, Katholiken und Auswärtige, da sie ja keine
Kirchensteuer beigetragen hatten, 50 Mark. Die Bestattung von Personen,
die ihren letzten Wohnsitz nicht in Dornholzhausen hatten, musste
erkauft werden. Urnenbeisetzungen und Familien-Ruhestätten bedurften
der Genehmigung des Presbyteriums.
1912 wurde von der Ortsgemeinde eine kleine Trauerhalle gebaut.
Die Zeit des Dritten Reichs brachte neue Probleme mit sich.
Ansprachen bei Trauerfeiern durch nichtkirchliche Prediger waren zu
genehmigen, ebenso durften handwerkliche Arbeiten auf dem Friedhof
jetzt auch von Andersgläubigen ausgeführt werden. Die Bestattung von
Juden war "zulässig", wenn im Ort kein israelitischer Friedhof
vorhanden war. Sowjetische Kriegsgefangene durften auf dem Friedhof
beerdigt werden, allerdings ohne Sarg, nur in festes Papier eingehüllt.
In würdiger Form allerdings sollte der toten deutschen Soldaten
gedacht werden. Auf unserem Friedhof steht jetzt das Kriegerdenkmal für
die Gefallenen des deutsch.französischen Krieges 1870/71, das früher
unter der alten Eiche neben dem Brunnen in der Lindenstraße (jetzt
Lindenallee) seinen Platz hatte, und auf zwei Gedenktafeln sind die
Namen der acht Gefallenen des Ersten und der 25 Gefallenen des Zweiten
Weltkriegs verzeichnet.
1950 war eine Erweiterung des Friedhofs dringend notwendig. Dafür
fand ein Geländetausch mit dem Ehepaar Karl und Anna Port, geb. Desor,
statt, den man noch durch den Kauf einer kleinen Parzelle von der
Ortsgemeinde ergänzen konnte.
Schon 1956 brachte Pfarrer Holler den
Vorschlag ein, man möge das Eigentum des Friedhofs der Gemeinde
Dornholzhausen übertragen. Durch den Zustrom der Flüchtlinge nach dem
Krieg, durch die Einpfarrung eines Homburger Gebietes 1957 hatte sich
die Zahl der Kirchengemeindeglieder von 1400 auf 2400 erhöht. 1971 kam
es endlich zu den abschließenden Verträgen. Unsere Kirche übertrug das
Friedhofsgelände mit 4481 qm der Gemeinde Dornholzhausen. Im Gegenzug
erhielt man dafür DM 50.000 und das alte abbruchreife ehemalige
Schulhaus einschließlich Schulhof, das noch als Bürgermeisteramt
genutzt wurde, und hatte nun die Möglichkeit, den Kirchplatz würdevoll
und freundlich zu gestalten.
Heute, im Jahre 2008, finden wieder Überlegungen zu einer Erweiterung des Friedhofs statt.
Unten ein Foto vom Grabstein der letzten Waldenserfamilie "Berthalot".
|