| Geschichte der Waldenser |
|
|
|
|
Etwa um 1170 begann Waldes in Lyon öffentlich in der Volkssprache zu predigen. Durch den plötzlichen Tod eines Freundes betroffen, sowie der Legende des heiligen Alexius, eines reichen jungen Mannes, der alles verließ, um Jesus nachzufolgen, änderte der wohlhabende Kaufmann sein Leben. Waldes gab seinen Besitz auf. Einen Teil seines Vermögens übergab er zur Versorgung seiner Familie, einen anderen für die Übersetzung der Bibel aus dem Lateinischen in die provenzalische Landessprache, das Übrige gab er den Armen. Damit werden drei wesentliche Merkmale der schnell sich um Waldes versammelnden Anhänger ("die Armen von Lyon") deutlich: Konzentrierung auf die Lehre des Neuen Testaments. freie Predigt und freiwillige Armut verbunden mit sozialem Engagement. Die Bergpredigt (Matthäus 5-7) und die Aussendungsrede Jesu (Matthäus 10) waren für die jeweils zu zweit tätigen Wanderprediger (‘Barben’, dt: Oheime) zentrale Mitte. Geradezu revolutionär erscheint, dass auch Frauen das Predigen erlaubt war. Damals in einer Zeit, in der die Kirche universelle Macht beanspruchte und dadurch stark verweltlicht war, wandten sich Laien direkt dem Evangelium zu, um die göttliche Botschaft unverfälscht durch den verweltlichten Klerus zu erfahren. Sehr schnell gerieten Valdus und seine Gefährten in Konflikt mit der Amtskirche, die die Verkündigung als ihre alleinige Aufgabe betrachtete.
Die Gegenreformation und eine in Frankreich immer stärker werdende antiprotestantische Haltung setzte 20 Jahre später mit grausamen Verfolgungen ein, die 1655 mit den "piemontesischen Ostern" einen traurigen Höhepunkt erreichten (6.000 wurden getötet, 10.000 konnten, zumeist in die Schweiz, fliehen). Am Ende dieser Entwicklung stand 1685 die Aufhebung des Ediktes von Nantes, mit dem Heinrich IV. 1598 den Reformierten im Land, Hugenotten und Waldensern, weitgehend Religionsfreiheit gewährt hatte.. Dragonaden, Zwangskonversionen und Auswanderungen waren dem Revokationsedikt vorausgegangen. Viele Waldenser des seit 1630 größtenteils zu Frankreich gehörenden Chisonetales zogen über die Grenze nach Savoyen oder wurden pro forma katholisch, besuchten aber den reformierten Gottesdienst jenseits der Grenze von Savoyen. Im Januar 1686 erließ allerdings auch Herzog Victor Amadée II. von Savoyen auf Druck des französischen Königs Ludwig XIV. ein Edikt gegen die Waldenser: Sie mussten entweder wegziehen oder konvertieren, die Neugeborenen mussten katholisch getauft werden.
Daraufhin organisierte Pfarrer Henri Arnaud im Angrognatal den Widerstand. In allen Waldensertälern wurde erbittert gekämpft. Dem machte der Herzog ein Ende, indem er mit den "Unbesiegbaren" den Abzug vereinbarte: in dreizehn Brigaden zogen die streitbaren Waldenser in die Schweiz viele von ihnen 1687 weiter in deutsche Territorien. 1689 versuchten sie jedoch unter der Führung Janavels und Arnauds die Rückeroberung der Täler. In schlechter Jahreszeit, auf gefährlichen Wegen und unter heftigen, äußerst verlustreichen Kämpfen gelang die Rückkehr, die "Glorieuse Rentrée.
Die weitere Geschichte der Waldenser in Dornholzhausen finden sie unter "Dornholzhausen " Nach 1815 erlebten die noch in Italien zurückgebliebenen Waldenser Jahre der geistig-kirchlichen Erneuerung. 1848 erlangten sie von König Albert Religionsfreiheit, zuerst im Piemont, später in ganz Italien.1858-61 wanderten viele Waldenser nach Uruguay aus und bildeten dort neue Gemeinden. Heute zählen die Waldenser in 6 Distrikten in Italien etwa 30.000 und in dem Distrikt Uruguay/Argentienien ca. 15.000 Seelen. Der Verwaltungsausschuss ist die Tavola, die aus dem Moderator (z.Z. Gianni Rostan), 4 Superintendenten und 2 Laien besteht. Sie werden jährlich von der in Torre Pellice tagenden Synode gewählt. In Rom haben eine die Waldenser eigene theologische Fakultät . In Riesi, einer der ärmsten Gegenden Siziliens, engagieren sie sich mit im Servizio Christiani mit Kindergarten, Schule, Lehrwerkstatt, Landwirtschaftszentrum etc.. Hier wird das christliche Zeugnis in liebevoller Tat beispielhaft umgesetzt, auch in der Auseinandersetzung mit Politik und maffiösen Strukturen. Dieses Zentrum ist zum Hoffnungsträger vieler Menschen geworden. Was ist von dem ursprünglichen Gedanken des Waldes und der Pauperes Christi übriggeblieben? Es geht um das Kennzeichen unserer Kirche, der Nachfolge Christi. Als einige Waldenser 1170 nach Rom gingen, um vom Papst die Bewilligung zur Predigt zu erhalten, wollten sie den Jüngern in deren Haupttätigkeit folgen: der Verkündigung, wobei es nicht um große Worte geht, sondern um Taten (vita apostolica, siehe Matthäus 25). Christus nachfolgen beinhaltet für die Waldenser auch heute noch das Primat des Letzten "Wer unter euch der erste sein will, der soll Knecht aller sein." (Markus 10, 42-44). Dass unsere Kirche heute diesem Bild vielfach nicht entspricht, ist eine Anfrage an uns. Dass sie andererseits immer im Werden bleibt, bruchstückhaft, hat Luther immer wieder betont: latent sancti. Sie ist auf dem Weg, und die anfangs gestellt Frage, ‘Was ist Kirche?’, lässt sich substantiell nur mit dem Wirken des Geistes beantworten. Wo Menschen wie Waldes sich auf das Wirken des Heiligen Geistes einlassen, wird Gottes Handeln konkret, im Alltag eines jeden Einzelnen und in der Geschichte. Denn "ohne Geist ist die Kirche ein Gespenst, der Glaube eine Idee, die Liebe ein Gefühl, die Taufe nur Wasser, die Predigt ein Vortrag, die Eucharistie ein magisches Ritual, die Gemeinde ein Feld von Knochen". (Paolo Ricca). Hier noch ein Foto aus dem Waldensermuseum in Torre Pellice. Es zeigt die typische Waldensertracht.
Quelle:
|