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Sonntag PDF Drucken E-Mail

Vom "Homo Sociologicus"
zum "Homo Oeconomicus"

Der Sonntag als wöchentlicher Ruhetag wird immer mehr sturmreif geschossen: Einkaufen – rund um die Uhr, "Belebung des Einkaufstandortes". Kam der Druck in den 90er Jahren überwiegend wegen technischer Erfordernisse (Maschinenlaufzeiten), so verlangt seit einigen Jahren auch das Dienstleistungsgewerbe eine Revision der geltenden Arbeitszeitbestimmungen.

Dieses Denken ist nicht neu (vgl. Amos 8, 4-8) und bei genauer Prüfung widersprüchlich, denn was am Sonntag die Kassen klingeln lässt, fehlt in der folgenden Woche (Nullsummenspiel).

Die Diskussion über die Abschaffung des arbeitsfreien Sonntags spiegelt den Zustand unserer Gesellschaft. Flexibilisierung der Arbeitszeit, just-in-time-Produktion, Konsumieren als Freizeitaktivität, der Familieneinkauf als sinnstiftendes Erlebnis gegen sonntägliche Langeweile, mit dem Deckmantel der individuellen Freiheit wird es uns "verkauft".

Adam und Eva Dahinter steht der klare Vorrang des Ökonomischen vor allen anderen Werten und Zielen des Zusammenlebens. Doch die "invisible hand" (Adam Smith) der Selbstregulierungskräfte des Marktes trügt. Sie gewährleistet weder eine funktionierende Gemeinschaft, noch sozialen Ausgleich. Wer in dem Netzwerk der Familien und Freundschaften, das früher als Keimzelle der Gesellschaft definiert wurde, hingegen Schwungmasse für globalisierte Ökonomie sieht, muss die Sonntagsruhe als anachronistisches Relikt einer überregulierten Welt diffamieren. Hier werden unsere Götter sichtbar!

Der arbeitsfreie Sonntag hingegen, für den die Christen unter Diokletian sogar in den Märtyrertod gingen, ist seit zweitausend Jahren ein Bollwerk gegen den Mammon.

Gewiss, man wird eine zunehmend am Christentum desinteressierte Gesellschaft nicht zur Sonntagsheiligung überreden können, doch selbst ohne Glockengeläut dient der Sonntag der Pflege von Beziehungen in Ehe, Familien, Verwandtschaft, Freude, sowie der seelischen und körperlichen Rekreation. Sonntag, das ist das Erleben des Nicht-Alltäglichen, einfach nur Mensch unter Menschen sein, Atemholen. "Ein bisschen langweilig war der Sonntag!", das trifft genau den Punkt: der Luxus des institutionalisierten Stillhaltens.

Das Christentum hat freilich den Sonntag nicht erfunden, um ein Kulturgut zu schaffen, um den Rhythmus von Arbeit und Pause zu wahren oder der Übermacht des Kommerzes entgegenzutreten. Es hat ihn eingeführt, um die Auferstehung Christi zu feiern. Als solcher ist er eine Demonstration dafür, dass Leben mehr ist als Konsum, Arbeit oder Wirtschaft. Der Sonntag hinterfragt kritisch unser Tagwerk, er weitet unseren Horizont für den Dank und macht klar, dass es ohne Gottes Segen weder Brot, Gesundheit, Lebenskraft, Schönheit, Liebesfähigkeit noch Arbeit gibt. Unser Leben wurzelt zutiefst auf Gottes Ja.

Diese Besinnung auf Gott kann den Sonntag zu einem Tag werden lassen, der mehr als ein Ruhetag ist, nämlich zum "Tag des Herrn". Ein Herr, der uns aus der Bindung an Götzen befreit, hin zu sinnvollem Leben.

28.04.2004, Stefan Schrick

 

 

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